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R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 1 ERSTER AUFZUG 1 Auf einem flachen Dach über den kaiserlichen Gärten Seitlich der Eingang in Gemächer matt erleuchtet Die Amme kauernd im Dunkel [1] Licht überm See? ein fließender Glanz? schnell wie ein Vogel? Die Wipfel der Nacht von oben erhellt? eine Feuerhand will fassen nach mir? bist du es Herr? Siehe ich wache bei deinem Kinde nächtlich in Sorge und Pein? DER GEISTERBOTE (tritt aus der Finsternis hervor geharnischt von blauem Licht umflossen) Nicht der Gebieter Keikobad nicht aber ein Bote Ihrer elf haben dich heimgesucht ein neuer mit jedem schwindenden Mond Der zwölfte Mond ist hinab: der zwölfte Bote steht vor dir ( ) (SpiritMessenger) ( ) Dich hab ich nie gesehn DER GEISTERBOTE Genug: ich kam und frage dich: Wirft sie einen Schatten? Dann wehe dir Weh uns allen? Keinen bei den gewaltigen Namen Keinen Keinen Durch ihren Leib wandelt das Licht als wäre sie gläsern ( ) DER GEISTERBOTE Einsamkeit um dich das Kind zu schützen

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 2 Von schwarzen Wasser die Insel umflossen Mond berge sieben gelagert um den See? und du ließest du Hündin das Kleinod dir stehlen ( ) Von der Mutter her war ihr ein Trieb übermächtig zu Menschen hin Wehe daß der Vater dem Kinde die Kraft gab sich zu verwandeln Konnt ich einem Vogel nach in die Luft? Sollt ich die Gazelle mit Händen halten??? DER GEISTERBOTE Laß mich sie sehn Sie ist nicht allein: Er ist bei ihr Die Nacht war nicht in zwölf Monden daß er ihrer nicht hätte begehrt Er ist ein Jäger und ein Verliebter sonst ist er nichts Im ersten Dämmer schleicht er von ihr wenn Sterne einfallen ist er wieder da Seine Nächte sind ihr Tag seine Tage sind ihre Nacht? DER GEISTERBOTE Zwölf lange Monde war sie sein Jetzt hat er sie noch drei kurze Tage Sind die vorbei:? sie kehrt zurück in Vaters Arm (mit gedämpftem Jubel) ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 3 Und ich mir ihr O gesegneter Tag Doch er?? DER GEISTERBOTE Er wird zu Stein Er wird zu Stein Daran erkenn ich Keikobad und neige mich DER GEISTERBOTE (verschwindend) Wahre sie du Drei Tage Gedenk ( ) Er wird zu Stein DER KAISER (tritt in die Tür des Gemaches) [2] Amme Wachst du? ( )? Wache und liege der Hündin gleich auf deiner Schwelle (Der Kaiser tritt hervor schön jung im Jagdharnisch Es dämmert schwach) ( ) DER KAISER Bleib und wache bis sie dich ruft Die Herrin schläft Ich geh zur Jagd Heute streif ich bis an die Mondberge und schicke meine Hunde über das schwarze Wasser wo ich meine Herrin fand und sie hatte den Leib einer weißen Gazelle und warf keinen Schatten und entzündete mir das Herz Wollte Gott daß ich heute meinen roten Falken wiederfände der mir damals meine Liebste fing ( moonmountains)

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 4 Denn als sie mir floh und war wie der Wind und höhnte meiner? und zusammenbrechen wollte mein Roß? da flog er der weißen Gazelle zwischen die Lichter? und schlug mit den Schwingen ihre süßen Augen Da stürzte sie hin und ich auf sie mit gezücktem Speer? da riß sichs in Ängsten aus dem Tierleib und in meinen Armen rankte ein Weib Oh daß ich ihn wiederfände Wie wollt ich ihn ehren? den roten Falken Denn ich habe mich versündigt gegen ihn in der Trunkenheit der ersten Stunde: denn als sie mein Weib geworden war da stieg Zorn in mir auf gegen den Falken daß er es gewagt hatte auf ihrer Stirn zu sitzen und zu schlagen ihre süßen Lichter Und in der Wut warf ich den Dolch gegen den Vogel und streifte ihn und sein Blut tropfte nieder? Seinen Blick vergesse ich nie (lauernd) Herr wenn du anstellst ein solches Jagen? leicht bleibst du dann fern über Nacht? ( )? DER KAISER Kann sein drei Tage komm ich nicht heim Hüte du mir die Herrin und sag ihr: wenn ich jage? es ist um sie und aber um sie Und was ich erjage :

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 5 mit Falke und Hund und was mir fällt von Pfeil und Speer: es ist anstatt ihrer Denn meiner Seele und meinen Augen und meinen Händen und meinem Herzen ist sie die Beute aller Beuten ohn Ende (Schnell abmorgendämmerung stärker man hört Vogelstimmen) ( ) (zu einigen Dienern die sich allmählich um den Kaiser versammelt hatten) Fort mit euch Ich höre die Herrin Ihr Blick darf euch nicht sehn ( ) (Die Diener auf und hinab lautlos) ( ) DIE KAISERIN (tritt aus dem Gemach) [3] Ist mein Liebster dahin was weckst du mich früh? Laß mich noch liegen Vielleicht träum ich mich zurück in eines Vogels leichten Leib oder einer jungen weißen Gazelle? Oh daß ich mich nimmer verwandeln kann Oh daß ich den Talisman verlieren mußte in der Trunkenheit der ersten Stunde Und wäre so gern das flüchtige Wild das seine Falken schlagen? sieh? Da droben sieh? Da hat sich einer von einen Falken? sich? verflogen Oh sieh doch hin der rote Falke der einst mich mit seinen Schwingen? ja er ists O Tag der Freude ( )?? ( light : )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 6 für meinen Liebsten und für mich Unser Falke unser Freund Sei mir gegrüßt schöner Vogel kühner Jäger Er hat uns vergeben er kehrt uns zurück Oh sieh hin er bäumt auf Dort auf dem zeige? wie er mich ansieht von seinem Fittich tropft ja Blut aus seinen Augen rinnen ja Tränen Falke Falke Warum weinst du?? DIE STIMME DES FALKEN [4] Wie soll ich denn nicht weinen? Wie soll ich denn nicht weinen? Die Frau wirft keinen Schatten der Kaiser muß versteinen?? DIE KAISERIN Dem Talisman den ich verlor in der Trunkenheit der ersten Stunde ihm war ein Fluch eingegraben? gelesen einst vergessen ach Nun kam es wieder: Die Frau wirft keinen Schatten DIE STIMME DES FALKEN Die Frau wirft keinen Schatten der Kaiser muß versteinen Der Kaiser muß versteinen DIE STIMME DES FALKEN Wie soll ich da nicht weinen?? DIE KAISERIN Der Kaiser muß versteinen [5] Amme um alles

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 7 wo find ich den Schatten?? Er hat sich vermessen daß er dich mache zu seinesgleichen? eine Frist ward gesetzt daß er es vollbringe: Deines Herzens Knoten hat er dir nicht gelöst ein Ungeborenes trägst du nicht im Schoß Schatten wirfst du keinen: Des zahlt er den Preis DIE KAISERIN Weh mein Vater Schwer liegt deine Hand auf deinem Kind Doch stärker als andre noch bin ich Amme um alles du weißt die Wege du kennst die Künste nichts ist dir verborgen und nichts zu schwer Schaff mir den Schatten Hilf deinem Kind (Sie fällt vor ihr nieder) ( ) Ein Spruch ist getan und ein Vertrag Es sind angerufen gewaltige Namen und es ist an dir daß du dich fügest (geheimnisvoll stockend) Den Schatten zu schaffen wüßt ich vielleicht doch daß er dir haftet müßtest du selber ihn dir holen Und weißt du auch wo? ( )? DIE KAISERIN Sie es wo immer zeig mir den Weg und geh ihn mit mir?

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 8 Bei den Menschen Bei den Menschen Grausts dich nicht? Menschendunst ist uns Todesluft Uns riecht ihre Reinheit nach rostigem Eisen und gestocktem Blut und nach alten Leichen Dies Haus getürmt den Sternen entgegen emporgetrieben spielende Wasser buhlend um Reinheit der himmlischen Reiche Und nun von hier noch tiefer hinab Dich ihnen vermischen hausen mit ihnen handeln mit ihnen Rede um Rede Atem um Atem erspähn ihr Belieben ihrer Bosheit dich schmiegen ihrer Dummheit dich bücken ihnen dienen Grausts dich nicht????? DIE KAISERIN Ich will den Schatten Ein Tag bricht an Führ mich zu ihnen: ich will (Fahles Morgenlicht) ( ) Ein Tag bricht an ein Menschentag Witterst du ihn? Schauderts dich schon? Das ist ihre Sonne: der werfen sie Schatten Ein Verräter Wind schleicht sich heran an ihren Häusern haucht er hin an ihren Haaren reißt er sie auf??

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 9 (allmählich Morgenrot) ( ) Der Tag ist da der Menschentag? ein wildes Getümmel gierig? sinnlos ein ewiges Trachten ohne Freude Tausend Gesichter keine Mienen? Augen die schauen ohne zu blicken? Kielkröpfe die gaffen Lurche und Spinnen? uns sind sie zu schauen so lustig wie sie Sie zu fassen verstünde ich schon? mich einzunisten? ihnen Streiche zu spielen im eigenen Haus? ist mein Element Diebesseelen sind ihre Seelen? ; ; DIE KAISERIN Wie soll ich denn nicht weinen Die Frau wirft keinen Schatten Der Kaiser muß versteinen?? so verkauf ich einen dem andern Eine Gaunerin bin ich unter Gaunern Muhme nennen sie mich und Mutter gar Ziehsöhne hab ich und Ziehtöchter viel hocken wie Ungeziefer auf mir Warte du sollst was sehn DIE KAISERIN (ohne auf die Amme zu achten) Weh was faßt mich gräßlich an Zu welchem Geschick reißts mich hinab? ( )?? Zitterst du??

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 10 Reut dich dein Wünschen? Heißest du uns bleiben? Lässest den Schatten dahin???? DIE KAISERIN Mich schaudert freilich aber ein Mut ist in mir der heißt mich tun wovor mich schaudert (Das Morgenrot flammt voll auf) ( ) Und kein Geschäfte außer diesem das wert mir schiene besorgt zu werden Hinab mit uns Hinab Der Kaiser muß versteinen Hinab mit uns hinab Hinab denn mit uns Die Geleiterin hast du dir gut gewählt Töchterchen liebes warte nur warte Um ihre Dächer versteh ich zu flattern durch den Rauchfang weiß ich den Weg und ihrer Herzen verschlungene Pfade Krümmen und Schlüfte die kenne ich gut [6] (Sie tauchen hinab in den Abgrund der Menschenwelt das Orchester nimmt ihren Eulenflug auf) ( ) Verwandlung : Im Hause des Färbers : Ein kahler Raum Werkstatt und Wohnung in einem Hinten links das Bette hinten rechts die einzige Ein und Ausgangstür Vorne die Feuerstätte alles orientalischdürftig Gefärbte Tücher an Stangen zum Trocknen aufgehängt da und dort; Tröge Eimer Zuber an Ketten hängende Kessel große Schöpflöffel Rührstangen Stampfmörser Handmühlen;

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 11 Büschel getrockneter Blumen und Kräuter aufgehängt anderes dergleichen an den Mauern aufgeschichtet; Farbmassen in Pfützen auf dem Lehmboden; dunkelblaue dunkelgelbe Flecken da und dort (Der Einäugige auf dem Einarmigen würgt ihn Der Junge Bucklige sucht den Einäugigen wegzureißen Die Färbersfrau kommt von rückwärts herzu sucht nach einem Zuber die Streitenden mit Wasser zu beschütten) ( ) DER EINÄUGIGE (schlägt auf den unter ihm Liegenden) [7] Dieb Da nimm Unersättlicher Nehmer ( ) DER EINARMIGE (unten röchelnd) Reiß ihn nach hinten Hund den Mörder ( ) DER BUCKLIGE Zu Hilfe Bruder Sie würgen einander (beschüttet sie) Schamlose ihr Eines Hundes Geschick über euch ( )? (Die drei Brüder auf das Tun der Frau auf und auseinander; fauchen an der Erde hockend gegen die Frau) ( ) DER EINÄUGIGE Willst du uns schmähen Hergelaufene Du Tochter von Bettlern wer bist denn du?? DER EINARMIGE und DER BUCKLIGE Wer bist denn du?? DER EINÄUGIGE Unser waren dreizehn Kinder aber für jeden Armen der kam standen die Schüsseln und dampften vom Fett DER BUCKLIGE Jeden Armen der kam?

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 12 Was hebst du die Hand gegen uns du Schöne bist doch unserm Bruder mit Lust zu Willen? DER EINARMIGE Laßt sie Brüder was ist ein Weib (Barak der Färber tritt eben in die Tür) ( ) Aus dem Haus mit diesen Du schaff sie mir fort Oder es ist meines Bleibens nicht länger bei dir (gelassen) Hinaus mit euch Ist Zeug zum Schwemmen zehn Körbe voll was lungert ihr hier? ( )? (Die drei Brüder gehen ab Barak schichtet gefärbte Tierhäute übereinander zu einem mächtigen Haufen) ( ) [8] Sie aus dem Hause und das für immer oder ich Daran will ich erkennen was ich dir wert bin (weiter schaffend) Hier steht die Schüssel aus der sie sich stillen Wo sollten sie herbergen wenn nicht in Vaters Haus? ( )? (Die Frau schweigt böse) ( ) Kinder waren sie einmal hatten blanke Augen gerade Arme einen glatten Rücken Aufwachen hab ich sie sehn in Vaters Haus

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 13 (ihn höhnend) Für dreizehn Kinder standen die Schüsseln dampfend von Fett kam noch ein Bettler Platz war für jeden (Sie hält sich die Ohren zu) ( ) ( ) (holt ein Tau den Pack zu schnüren; hält inne sieht sie an) Speise für dreizehn wenn es nottut schaff ich auch mit diesen zwei Händen (hat sich aufgerichtet steht dicht bei ihr) Gib du mir Kinder daß sie mir hocken um die Schüsseln zu Abend es soll mir keines hungrig aufstehn Und ich will preisen ihre Begierde und danksagen im Herzen daß ich bestellt ward damit ich sie stille (Er tritt näher rührt sie leise an) Wann gibst du mir die Kinder dazu? ( ) ( ) ( )? (Die Frau hat sich abgekehrt; wie er sie anrührt schüttelt sie s) ( ) (arglos behaglich) Ei du 's ist dein Mann der vor dir steht? soll dich der nicht anrühren dürfen? ( )? (ohne ihn anzusehen) Mein Mann steht vor mir Ei ja mein Mann ich weiß ei ja ich weiß was das heißt Bin bezahlt und gekauft es zu wissen und gehalten im Haus und gehegt und gefüttert damit ich es weiß und will es von heut ab nicht wissen verschwöre das Wort und das Ding ( ) Heia Die guten Gevatterinnen haben sie nicht die schönen Sprüche ( godmother)

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 14 gesprochen über deinen Leib und ich hab siebenmal gegessen von dem was sie gesegnet hatten und wenn du seltsam bist und anders als sonst? Triefäugige Weiber die Sprüche murmeln haben nichts zu schaffen mit meinem Leib und was du gegessen hast vor Nacht hat keine Gewalt über meine Seele? ich preise die Seltsamkeit und neige mich zur Erde vor der Verwandlung O Glück über mir und Erwartung und Freude im Herzen (Er kniet nieder zur Arbeit) ( ) [9] Dritthalb Jahr bin ich dein Weib? und du hast keine Frucht gewonnen aus mir und mich nicht gemacht zu einer Mutter Gelüsten danach hab ich abtun müssen von meiner Seele: Nun ist es an dir abzutun Gelüste die dir lieb sind (mit ungezwungener Feierlichkeit und Frömmigkeit des Herzens) Aus einem jungen Mund gehen harte Worte und trotzige Reden aber sie sind gesegnet mit dem Segen der Widerruflichkeit Ich zürne dir nicht bin freudigen Herzens und ich harre und erwarte die Gepriesenen ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 15 die da kommen (Barak hat den gewaltigen Pack zusammengeschnürt hebt ihn auf den Herd und lädt ihn von da indem er sich bückt und das Ende des Strickes vornüberzieht auf seinen Rücken beladen richtet er sich auf) ( ) (finster vor sich) Es kommen keine in dieses Haus viel eher werden welche hinausgehn und schütteln den Staub von ihren Sohlen Also geschehe es lieber heute als morgen ( ) (nickt ihr gutmütig zu; ohne auf ihre letzten Worte zu hören; indem er unter der gewaltigen Last schwer gehend den Weg zur Tür nimmt) Trage ich die Ware mir selber zu Markt spar ich den Esel der sie mir schleppt ( ) (Er geht Die Frau allein hat sich auf ein Bündel oder einen Sack gesetzt der vorne liegt Ein Heranschweben ein Dämmern ein Aufblitzen in der Luft Die Amme in einem Gewand aus schwarzen und weißen Flicken die Kaiserin wie eine Magd gekleidet stehen da ohne daß sie zur Tür hereingekommen wären) ( ) (ist jäh auf den Füßen) [10] Was wollt ihr hier? Wo kommt ihr her? ( )?? (nähert sich demütig ihr den Fuß zu küssen) Ach Schönheit ohnegleichen Ein blitzendes Feuer Oh Oh Meine Tochter vor wem stehen wir? Wer ist diese Fürstin wo bleibt ihr Gefolge? Wie kommt sie allein in diese Spelunke? (Sie hebt sich furchtsam aus der fußfälligen Lage) Verstattest du die Frage meine Herrin? War dieser einer von deinen Bedienten oder von deinen Botengängern der Große mit einem Pack auf dem Rücken ( )???? ( )?

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 16 solch ein Vierschrötiger nicht mehr junger mit gespaltenem Maul und niedriger Stirne? Du Zwinkernde die ich nie gesehn und weiß nicht wo du hereingeschlüpft bist? dich durchschau ich so weit Du weißt ganz wohl; daß dieser der Färber und mein Mann ist und daß ich hier im Hause wohne ; (springt auf die Füße wie in maßlosem Erstaunen) Oh meine Tochter starre und staune Die wäre das Weib des Färbers Barak? Heran meine Tochter es wird dir verstattet: betrachte dir diese Wimpern und Wangen betrachte dir diesen Leib in der Schlankheit des ganz jungen Palmbaums und schrei: Wehe ( )?? DIE KAISERIN Ich will den Schatten küssen den sie wirft Weh Und das soll ihm Kinder gebären Und das soll einsam hier verkümmern O des blinden Geschicks und der Tücke des Zufalls (geht ängstlich vor ihr zurück) Weh daß du gekommen bist meiner zu höhnen Was redest du da und was starrst du auf mich und willst mich zu einer Närrin machen vor Gott und den Menschen (Sie weint) ( )?? ( ) (mit gespieltem Erstaunen indem sie die Kaiserin fortzieht) Wehe mein Kind und fort mit uns ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 17 Diese weist uns von sich und will nicht unsere Dienste Sie kennt das Geheimnis und will unser spotten fort mit uns (Sie tut als wollte sie fort) ( ) (steht jäh auf) Welches Geheimnis du Unsagbare du Bei meiner Seele und deiner welches Geheimnis? ( )? (neigt sich tief) Das Geheimnis des Kaufs und das Geheimnis des Preises um den du dir alles erkaufst ( ) Bei meiner Seele und dem Jüngsten Tag ich weiß von keinem Kauf ich weiß von keinem Preis? Oh meine Herren soll ich dir glauben daß du deinen Schatten dies schwarze Nichts hinter dir auf der Erde daß dir dies Ding ohne Namen nicht feil ist? auch nicht um unvergänglichen Reiz und um Macht ohne Schranken über die Männer?? (dreht sich nach ihrem Schatten um) Der gekrümmte Schatten eines Weibes wie ich bin Wer gäbe dafür auch nur den schmählichsten Preis? ( )? Alles du Benedeite alles zahlen begierige Käufer du Herrin wenn eine Unnennbare deinesgleichen abtut ihren Schatten und gibt ihn dahin Ei Die Sklavinnen und die Sklaven

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 18 soviele ihrer du verlangest und die Brokate und Seidengewänder in denen du stündlich wechselnd prangest und die Maultiere und die Häuser und die Springbrunnen und die Gärten und deiner Liebenden nächtlich Gedränge und dauernde Jugendherrlichkeit für ungemessene Zeit? dies alles ist dein du Herrscherin gibst du den Schatten dahin (Sie greift in die aufblitzende Luft und reicht der Frau ein köstliches Haarband aus Perlen und Edelsteinen) ( ) Dies in mein Haar? Du Liebe du Doch ich armes Weib ich hab keinen Spiegel Dort überm Trog mach ich mein Haar? Verstattest du ich schmücke dich (Sie legt ihr die Hand auf die Augen sogleich ist sie selbst samt der Frau verschwunden An Stelle des Färbergemaches steht ein herrlicher Pavillon da in dessen Inneres wir blicken: es ist das Wohngemach einer Fürstin Der Boden scheint mit einem Teppich in den schönsten Farben bedeckt doch sind es Sklavinnen in bunten Gewändern Sie heben sich nun von der Erde lauschen kniend nach rückwärts rufen mit süßen wie ein Glockenspiel ineinanderklingenden Stimmen) ( ) DIE DIENERINNEN [11] Ach Herrin süße Herrin Aah (Durch eine kleine Tür rückwärts links tritt die Frau geführt von der Amme in das Gemach Sie ist fast nackt in einen Mantel gehüllt gleichsam aus dem Bade kommend; sie trägt das Perlenband ins Haar gewunden Sie geht mit der Amme durch die knienden Sklavinnen quer durch an einen großen ovalen Metallspiegel der rechts vorne steht Dort setzt sie sich und sieht sich mit ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 19 Staunen) DIE DIENERINNEN Ach Herrin süße Herrin Aah DIE STIMME DER KAISERIN Willst du um dies Spiegelbild nicht den hohlen Schatten geben?? DIE STIMME EINES JÜNGLINGS Gäb ich um dies Spiegelbild doch die Seele und mein Leben DIE DIENERINNEN Ach Herrin süße Herrin Aah O Welt in der Welt O Traum im Wachen? (Wie die Frau den Mund auftut verbleicht alles und beginnt zu entschwinden) ( ) DIE DIENERINNEN Weh Zu früh Herrin Ach Herrin (Das Färberhaus steht wieder da die Amme wie früher die Kaiserin seitlich; die Färberin in ihrem ärmlichen Gewand? der Schmuck ist verschwunden? klammert sich taumelnd an die Amme) ( ) Und hätt ich gleich den Willen dazu Wie tät ich ihn ab und gäb ihn dahin den an der Erde ihn meinen Schatten?? (Die Amme und die Kaiserin wechseln einen Blick) ( ) [12] Hat es dich blutige Tränen gekostet (kann ihre Ungeduld kaum bemeistern) Nein sag doch schnell ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 20 du Kluge du Gute daß du dem Breitspurigen keine Kinder geboren hast? (zieht sich um winkt die Tochter heran gleichsam als Zeugin) ( ) Jetzt sag es schnell Und lechzt dein Herz darnach bei Tag und Nacht daß viele kleine Färber durch dich eingehen sollen in diese Welt? Soll dein Leib eine Heerstraße werden und deine Schlankheit ein zerstampfter Weg? Und sollen deine Brüste welken und ihre Herrlichkeit schnell dahin sein??? Meine Seele ist satt worden der Mutterschaft eh sie davon verkostet hat Ich lebe hier im Haus und der Mann kommt mir nicht nah So ist es gesprochen und geschworen in meinem Innern Abzutun Mutterschaft auf ewige Zeiten von deinem Leibe Und dahinzugeben mit der Gebärde der Verachtung die Lästigen die da nicht geboren sind Du Seltene du Du erhobene Fackel O du Herrscherin o du Gepriesene unter den Frauen nun sollst du es sehn und es erleben: Angerufen werden gewaltige Namen und ein Bund geschlossen

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 21 und gesetzt ein Bann Tage drei dienen wir dir hier im Haus diese und ich dies ist gesetzt Sind die vorbei dem Dienst zum Lohn von Mund zu Mund von Hand zu Hand mit wissender Hand und willigem Mund gibst du den Schatten uns dahin und gehest ein in der Freuden Beginn Und die Sklavinnen und die Sklaven und die Springbrunnen und die Gärten und Gewölbe voll Tonnen des Goldes (unterbricht sie jäh) Still und verschwiegen: ich höre meinen Mann der wiederkommt Nun wird er verlangen nach seinem Nachtmahl das nicht bereit ist und nach seinem Lager das ich ihm nicht gewähren will ( ) Du bist nicht allein: Dienerinnen hast du diese und mich Morgen zu Mittag stehn wir dir in Dienst: als arme Muhmen mußt du uns grüßen nach Mitternacht nur indessen du ruhest entlässest du uns für kurze Frist das braucht niemand zu wissen Jetzt schnell was nottut (Ein Windstoß durchfährt plötzlich den Raum den die allmählich einsetzende Dämmerung in Halbdunkel getaucht hat) ( ) (befehlend) ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 22 Fischlein fünf aus Fischers Zuber wandert ins Öl und Pfanne empfang sie Feuer rühr dich Hierher du Bette des Färbers Barak Und fort mit den Gästen von wo sie kamen (Die Amme hat befehlend in die Hände geschlagen lautlos Die Fischlein fliegen blinkend durch die Luft herein und landen in der Pfanne das Feuer unterm Herd flammt auf die Hälfte des ehelichen Lagers hat sich abgetrennt und es ist ganz im Vordergrunde eine schmälere Lagerstatt für einen einzelnen erschienen indessen hinten das Lager der Frau durch einen Vorhang verhängt erscheint und indem dies alles geschah sind die Amme selbst und die Kaiserin lautlos durch die Luft entschwunden Der Feuerschein flackert durch den dämmernden Raum Die Frau steht allein und starr vor Staunen Plötzlich ertönen aus der Luft als wären es die Fischlein in der Pfanne ängstlich fünf Kinderstimmen) ( 2 1 ) DIE KINDERSTIMMEN [13] Mutter Mutter laß uns nach hause Die Tür ist verriegelt wir finden nicht ein wir sind im Dunkel und in der Furcht Mutter o weh (in höchster Angst über das Unbegreifliche ratlos um sich blickend) Was winselt so gräßlich aus diesem Feuer? ( )? DIE KINDERSTIMMEN (drängender) Wir sind im Dunkel und in der Furcht Weh Mutter laß uns ein Oder ruf den lieben Vater daß er uns die Tür auftu ( ) O fänd ich Wasser dies Feuer zu schweigen (Die Flamme unterm Herd wird zusehends schwächer) ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 23 DIE KINDERSTIMMEN (verhauchend) Mutter O weh Dein hartes Herz ( ) (Die Frau sinkt vorne auf ein Bündel wischt sich den Angstschweiß von der Stirne) ( ) (erscheint in der Tür mit einem vollgepackten Korb beladen vor sich behaglich) [14] Trag ich die Ware nur selber zu Markt spar ich den Esel der sie mir schleppt ( ) (Die Frau hebt sich mühsam geht nach hinten an ihr Lager hebt den Vorhang und sagt nichts) ( ) Ein gepriesener Duft von Fischen und Öl Was kommst du nicht essen?? Hier ist dein Essen Ich geh zur Ruh Dort ist jetzt dein Lager (wird s gewahr) Mein Bette hier? Wer hat das getan? ( )?? Von morgen ab schlafen zwei Muhmen hier denen richt ich das Lager zu meinen Füßen als meinen Mägden So ist es gesprochen und so geschieht es (Sie zieht den Vorhang vor) ( ) (indem er resigniert ein Stück Brot aus dem Gewand zieht und dieses essend sich auf die Erde setzt) [15] Sie haben mir gesagt daß ihre Rede seltsam sein wird und ihr Tun befremdlich die erste Zeit Aber ich trage es hart und das Essen will mir nicht schmecken ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 24 DIE STIMMEN DER WÄCHTER IN DEN STRASSEN Ihr Gatten in den Häusern dieser Stadt liebet einander mehr als euer Leben und wisset: Nicht um eures Lebens willen ist euch die Saat des Lebens anvertraut sondern allein um eurer Liebe willen (indem er sich umwendet) Hörst du die Wächter Kind und ihren Ruf? ( )? (Keine Antwort) ( ) DIE WÄCHTER Ihr Gatten die ihr liebend euch in den Armen liegt ihr seid die Brücke überm Abgrund ausgespannt auf der die Toten wiederum ins Leben gehn Geheiliget sei eurer Liebe Werk (horcht abermals nach rückwärts gewendet vergeblich; er seufzt tief auf und streckt sich zum Schlaf hin) Seis denn ( ) ZWEITER AUFZUG 2 Des Färbers Wohnung (Die Brüder blicken zur Tür herein bepackt Der Färber belädt sich die Kaiserin als Magd hilft ihm dabei) ( ) (läuft an die Tür neigt sich bis zur Erde vor dem Färber) [1] Komm bald wieder nach Haus mein Gebieter denn meine Herrin verzehrt sich vor Sehnsucht wenn du nicht da bist ( ) (Barak geht Die Amme läuft zur Frau hinüber leise) Die Luft ist rein und kostbar die Zeit ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 25 Wie ruf ich den der nun herein soll? (Die Frau hat sich gesetzt und das Ruch mit dem ihr Kopf umwunden war gelöst; ihr Haar ist mit Perlschnüren durchflochten Die Kaiserin kniet vor ihr hält ihr den Spiegel) ( ) O du meine Herrin seit diesem Tage gib mir doch Antwort Wie sind deine Bräuche? Soll diese laufen? Oder ruf ich ihn? Mit einem sehnsüchtigen Ruf? Oder einem fröhlichen??????? Auf wen geht die Rede?? Auf den der thronet in deinem Herzen und für den du dich schmückest In leerem Herzen wohnet keiner und geschmückt hab ich mich für den Spiegel Hören ist Verstehen o meine Herrin So sprech ich von dem Sehnsuchtverzehrten dem deines offenen Haares Wehen in Träumen geahnt doch niemals gesehen die Knie löst vor Furcht und Bangen: verstatte daß ich diesen rufe zur Schwelle der Sehnsucht und der Erlösung (steht auf) Ich weiß von keinem Manne außer ihm der aus dem Hause ging ( ) (dicht an ihr) O du Augapfel meiner Träume Den flüchtig Begegneten heimlich Ersehnten ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 26 den du mit niedergeschlagenen Augen dennoch ansahest? und warst ihm zu Willen in deinen Gedanken? erbarme dich seiner? (errötend verwirrt) Wer bist denn du? Wie nimmst du mich denn? ( )?? Wir bringen ihn dir zu dem du jetzt eben aus süßem Erröten dein Denken geschickt Lachen muß ich über dich Wenn ich dir sage: ich weiß kaum die Gasse wo ich ihn traf nicht das Viertel der Stadt noch seinen Namen? Nun schließ deine Augen und ruf ihn dir Und schlägst du sie auf steht er vor dir (ihren Gedanken nachhängend) Nur daß ich auf einer Brücke ging unter vielen Menschen als einer mir entgegenkam ein Knabe fast der meiner nicht achtete? ( ) (nimmt verstohlen einen Strohwisch vom Boden) Du Besen leih mir die Gestalt Und Kessel du leih mir deine Stimme ( ) DIE KAISERIN (zur Amme) Weh Muß dies geschehen vor meinen Augen? ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 27 (leise) Zu gutem Handel und dir zu Gewinn (Sie gleitet zu der Frau hin birgt den Strohwisch hinterm Rücken) Geschlossen dein Aug und geöffnet dein herz du Liebliche du ( ) ( ) (Sie wirft den Strohwisch über die Frau Es blitzt auf und nachher bleibt das Licht verändert) ( ) DIE KAISERIN (vor sich flüsternd) Sind so die Menschen? So feil ihr Herz? ( )?? Kielkröpfe und Molche sind zu schauen so lustig als sie (mit geschlossenen Augen)? der meiner nicht achtete mit hochmütigem Blick und des ich gedachte heimlich zuweilen um Träumens willen ( ) Es ist an der Zeit herbei mein Gebieter (Sie klatscht in die Hände Es steht ein Jüngling da wie entseelt Zwei kleine dunkle Gestalten stützen ihn die sogleich verschwinden) ( ) (mit offenen Augen) Er und der Gleiche Und doch nicht ( ) (dicht bei dem Jüngling der allmählich sich belebt) Um ihretwillen bist du hier du Vielersehnter (läuft zur Frau hinüber) ( ) ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 28 Wie ist dir um jede Stunde da du diesen nicht gekannt hast???? Ich will hinweg und mich verbergen (Der Jüngling steht gesenkten Kopfes Die Frau hebt unwillkürlich die Hände gegen ihn) ( ) Sei schnell mein Gebieter Und kühn du Herrin Unsagbar fliehend ist solches Glück STIMMEN (aus der Luft) Sei schnell mein Gebieter Und kühn du Herrin Unsagbar fliehend ist das Glück ( ) (Die Amme läuft zur Kaiserin hin zieht sie nach rückwärts) ( ) DIE KAISERIN (horcht hinaus) Ach Wehe Daß sie sich treffen müssen der Dieb und der dem das Haus gehört der mit dem Herzen und der ohne Herz ( ) Voneinander Ihr ist gegeben zu hören was fern ist sie meldet: der Färber kehrt nach Hause (Sie wirft ihren Mantel über den Jüngling der Raum verdunkelt sich jäh und als es wieder hell wird ist der Knabe verschwunden Zu der Amme Füßen liegt der Strohwisch den sie aufnimmt und in einer Mauernische verbirgt Die Tür geht auf Barak tritt ein eine riesengroße kupferne Schüssel mit den Armen tragend ihm voraus der Einäugige den Dudelsack spielend der Bucklige bekränzt und ein großes Weingefäß ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 29 schleppend der Einarmige mit noch einer kleineren Schüssel Bettelkinder drängen sich ihnen nach zur Tür herein) (stolz und glücklich auf die Frau zu) [2] Was ist nun deine Rede du Prinzessin vor dieser Mahlzeit du Wählerische? ( ) (Die Frau kehrt ihm den Rücken) ( ) DIE BRÜDER (haben sich rechts in eine Reihe gestellt) O Tag des Glücks o Abend der Gnade Das war ein Einkauf Schlag ab du Schlächter ab vom Kalbe Schlag ab vom Hammel Und her mit dem Hahn Du Bratenbrater heraus mit dem Spieß Heran du Bäcker mit dem Gebackenen und du Verdächtiger her mit dem Wein Wenn wir einkaufen das ist ein Einkauf O Tag des Glücks o Abend der Gnade ( ) DIE BETTELKINDER (fallen ein) O Tag des Glücks o Abend der Gnade O Tag des Glücks ( ) (ohne Barak voll anzusehen) Wahrlich es ist angelegt aufs Zertreten des Zarten und es siegt das Plumpe und dem der Brot will wird ein Stein gegeben Und wer von der Schüssel der Träume kostete zu dem treten Tiere und halten ihm den Wegwurf hin vom Tisch des Glücklichen und er hat nichts wohin er sich flüchte als in seine Tränen Das ist meine Rede du glückseliger Barak (Die Tränen überwältigen sie sie setzt sich ( ) (

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 30 abseits und verbirgt ihr Gesicht in den Händen) ) (hat die Schüssel auf die Erde gestellt) Esser ihr Brüder und lasset euch wohl sein Ihre Zunge ist spitz und ihr Sinn ist launisch aber nicht schlimm? und ihre Reden sind gesegnet mit dem Segen der Widerruflichkeit um ihres reinen Herzens willen und ihrer Jugend ( ) (Die Brüder lagern auf der Erde und haben sich über die Schüsseln hergemacht die Bettelkinder um sie; Barak stopft den Kindern gute Bissen in den Mund In der Tür sammeln sich Nachbarn alte Weiber Krüppel noch mehr Kinder an auch Hunde Barak winkt die Magd heran) ( ) Komm her du stillgehende Muhme das ist für dich Und geh hin zu der Frau: ob sie nicht will vom Zuckerwerk oder vom Eingemachten mit Zimmet? (Die Kaiserin schickt sich an zu der Frau hinüberzugehen) ( ) (fährt auf) Meinen Pantoffel in dein Gesicht du Schleichende Bitternis will ich tragen im Mund und nicht sie verzuckern Was brauch ich Gewürze der Gram verbrennt mich Um der grausamen Tücke willen und des erbärmlichen Geschickes ( )? DIE BRÜDER (unter dem Essen) Wer achtet ein Weib und Geschrei eines Weibes? Aber der Langmütige der bist du von je ( ) Hier ist vom Guten

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 31 lasset euch wohl sein meine Brüder und freuet euch daß ihr lebt BRÜDER Und der Großmütige vom Mutterleib Und der Wohltätige Und der Freigebige Das bist du Bitternis will ich tragen im Mund Was brauch ich Gewürze der Gram verbrennt mich Um der grausamen Tücke willen und des erbärmlichen Geschickes? Es ist euch gegönnt und ihr seid mir anstatt der Kinder BRÜDER Das war ein Einkauf O Tag des Glücks o Abend der Gnade Schlag ab du Schlächter Schlag ab vom Kalbe usw Es siegt das Plumpe und dem der Brot will wird ein Stein gegeben Und er hat nichts wohin er sich flüchte als in seine Tränen DIE BETTELKINDER (neigen sich vor Barak) O du Färber unter den Färbern und unser aller Vater O Tag des Glücks o Abend der Gnade ( ) Hier ist vom Guten lasset euch wohl sein meine Brüder und freuet euch

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 32 daß ihr lebt Verwandlung: Das kaiserliche Falknerhaus einsam im Walde (falcon house) [3] Mondlicht zwischen den Bäumen Der Kaiser kommt gerittensteigt leise vom Pferde nähert sich lautlos bleibt hinter einem Baum verborgen von wo er den Eingang und das eine Fenster des kleinen Hauses vor Augen hat Die Tür ist geschlossen DER KAISER [4] Falke Falke du wiedergefundener? wo führst du mich hin kluger Vogel? "Das Falknerhaus einsam im Walde soll die drei Tage mir Wohnung sein? niemand um mich als die Amme allein ferne den Menschen verborgen der Welt" So schrieb meine Frau? sie gabs dem Boten künstlich ihr Haarband umflocht den Brief Nun führst du mich über Berg und Fluß hierher den Weg Seltsamer du? Soll ich mich bergen hier im Schatten als ihr Jäger immerdar? Hast du darum mich hergeführt? Schläft sie? Mich dünkt das Haus ist leer Falke mein Falke was ist mir das? Wo ist deine Herrin zu nächtiger Zeit? Falke mein Falke was ist mir das? Falke mir ist zur unrechten Stunde hast du mich hierher geführt Still mein Falke und horch mit mir Es kommt gegangen es kommt geschwebt? ist das die Beute die du mir schlägst? [5] Stille???????? (Die Amme hinter ihr die Kaiserin kommen zwischen den Bäumen herangeschwebt und stehen zwischen den Bäumen; sie sind mit wenigen lautlosen Schritten auf der Schwelle die Amme öffnet sie schlüpfen ins Haus das sich von innen erleuchtet) ( ) O weh Falke o weh Wo kommt sie her Wehe o weh?

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 33 Menschendunst hängt an ihr Menschenatem folgt ihr nach wehe daß sie mir lügen kann? wehe daß sie nun sterben muß (Er zieht einen Pfeil aus dem Köcher) Pfeil mein Pfeil du mußt sie töten die meine weiße Gazelle war Weh da du sie ritztest ward sie ein Weib Du bist nicht der sie töten darf (Er stößt den Pfeil wieder in en Köcher zieht das Schwert halb aus der Scheide) Schwert mein Schwert du mußt auf sie Weh ihren Gürtel hast du gelöst? du bist nicht der sie töten darf (Er stößt das Schwert wieder in die Scheide) Und meine nackten Hände Weh Meine Hände vermögen es nicht Wehe o weh Auf mein Pferd und du Falke voran und führ mich hinweg von diesem Ort wohin dein tückisches Herz dich heißt führ mich in ödes Felsengeklüft wo kein Mensch und kein Tier meine Klagen hört Wehe o weh ( ) ( ) ( ) Verwandlung: des Färbers Wohnung : Barak schafft Die Frau und die Amme tauschen ungeduldige Blicke (vor sich hin) [6] Es gibt derer die haben immer Zeit und ist der Markt vorbei so kommen sie auch noch zurecht ( ) (wendet den Kopf nach ihr) Schon geh ich Es ist heiß Ich habe schwer geschafft seit diesem Morgen und nicht viel vor mich gebracht Gib mir zu trinken Frau? ( ) (ohne sich zu wenden) Sind Mägde da ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 34 (Die Amme gießt ein tut verstohlen einen Saft in den Trank) ( ) (ohne hinzusehen) Gibst du mir nicht? ( )? (Die Amme gibt der Kaiserin das Gefäß Die Frau mit ausgestrecktem Arm heißt sie es dem Herrn bringen Die Kaiserin bringt es hinbarak trinkt) ( ) Mich schläfert Es ist heiß Sag: ich geh? und bleibe sitzen Sag: ich tu? und laß es sein Bin ich doch der Herr im Haus Hab es halt so ist es mein Haus und Herd und Bette und Weib Mich schläfert sehr Ich muß hier liegen Frau Zu Abend? dann? trag ich? die Wage zu Markt (schläft ein auf einem Sack Kräuter) ( ) (höhnisch) Und sparst den Esel der sie dir schleppt Sparst den Esel der dir sie schleppt ( ) (läuft zu ihr) Herrin halt inne mit Schreien und Zürnen Ich hab ihm einen Schlaftrunk eingeschüttet ( ) Wer hieß dich das tun? (ängstlich) Barak Barak (Sie geht hinüber sieht den Schlafenden an)? ( ) ( ) (zieht sie weg) Er schläft bis an den Morgen Ihm ist wohl Viel schöne Stunden Herrin sind vor dir ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 35 Wer hat dich gelehrt welche Stunde mir schön heißt? Ich will ausgehen? Du bleib dahinten Ich will nicht in deinen Händen sein und daß du ausspähest all mein Verborgenes du alte weiß und schwarz gefleckte Schlange? Willst du den in der Ferne suchen Herrin der deiner harret und deines Winkes? Gewähre ich breit ihn vor deine Füße und sprich es aus: er darf heran Spräch ich es aus und spräche einerlei Rede mit dir es wäre einerlei Rede nicht Der darf wohl heran der den ich meine? doch eben von dir darf nichts heran: darum auch er nicht Von ihm darf heran was du nie wahrnimmst: was nie an deiner Hand sich mir naht Von wo der Strand nie betreten wurde beträte ihn einer von dort her dem wehrte keine Mauer und kein Riegel Ich ruf ihn (Ein Dunkelwerden ein Blitz Die Amme führt an ihrer Hand die Erscheinung des Jünglings heran) ( ) [7] Schlange was hab ich mit dir zu schaffen und solchen die du bringest DER JÜNGLING Wer tut mir das daß ich jäh muß stehen vor meiner Herrin?

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 36 Der Macht ist zu viel Zu jäh die Gewalt (Kniet nieder verhüllt sich) ( ) (mit verstellter Härte ohne den Jüngling eines Blickes zu würdigen) Wer heißt eine alte Vettel wissen was ihr zu wissen nicht getan ist? (mit gespielter Verachtung indem sie den Jüngling mit einem koketten Blick streift) Meine Tücher her Ich war gewillt ins Freie und auf den Flusse zu fahren (als wollte sie fort) ( ) ( ) ( ) (umschlingt ihre Füße) Peinvoll süße Unruh treibt dich umher Gewillt bis du zu nichts als zu Süßem gewillt zu sein jetzt und hier ( ) DER JÜNGLING Bin ich dir ferne so ists deine Nähe die mich zerbricht bin ich vor dir so wirst du unnahbar und deine Ferne ists die mich tötet (Er fällt nach rückwärts wie ein Ohnmächtiger) ( ) (gleichsam ins Feuer blasend nicht ohne kupplerischdämonische Größe) Wer teilhaftig ist der Wonne der fürchtet auch den Tod nicht denn er hat gekostet von der Ewigkeit aber wie er dahin gelangt ist das ist ihm vergessen ( ) Ich habe geträumt daß ich zu dir fliege mit unablässigen Küssen wie eine Taube die ihr Junges füttert? und mein Traum hat dich getötet (Sie beugt sich über ihn will sanft die Hände von seinem Gesicht lösen; sein Blick trifft sie seine Hand zuckt die ihrige festzuhalten Sie fährt mit einem Schrei zurück Die Amme will die Kaiserin ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 37 mit sich ziehen zur Tür hinaus) Ach Weh mir wohin? Verräterinnen Hierher zu Mir Sind die Toten lebendig so sind wohl die Schlafenden tot Wach auf mein Mann Ein Mann ist im Haus Ich will wach auf zu mir? (Sie eilt zu Barak hin rüttelt ihn bespritzt ihn mit Wasser die Kaiserin ist bei ihr hilft ihr) ( ) (wirft ihren Mantel über den Jüngling) Gott schütze uns vor einer jungen Närrin Sei du getrost ( ) (erwacht aus der Betäubung richtet sich auf) Was schlief ich so schwer? ( )? (zu dem Jüngling) Schnell dreht sich der Wind und wir rufen dich wieder ( ) Wer rüttelt mich auf?? Du sollst nicht schlafen am hellen Tag Sollst wahren dein Haus vor Dieben und Räubern und meiner achten Geschieht mir dergleichen von dir noch einmal so ist meines Bleibens hier nicht länger Verstehst du mich? (sehr aufrecht blickt wild um sich) Sind Räuber hier? Den Hammer dort Ihr Brüder her Zum Bruder her ( )?? (windet ihm den Hammer aus der Hand) ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 38 Laß dein Schreien und tölpisch Gehaben Unter der Arbeit schlägst du mir hin kommst mir von Sinnen redest fremd Hast du die Sucht oder schierts dich so wenig mich zu erschrecken täppisch und roh? (beiseite) Wie sie ihn sich hernimmt und sattelt und aufzäumt die Prächtige die ( ) War dir bange um mich du Gute Bin ja wieder bei dir (spöttisch) Wieder bei mir Das ist ja recht viel Er ist wieder bei mir Ei große Freude Wieder bei mir ( ) (sucht sein Arbeitszeug zusammen) Es widerfährt mir was ich nicht kenne und ist eine Gewalt über mir im Dunklen? (Starrt vor sich hin) Mein bester Mörser ist mir zersprungen? Versteh ich mein Handwerk nicht mehr? ( ) ( ) (sieht ihn starr an) [8] Ein Handwerk verstehst du sicher nicht wie dus von Anfang nicht verstanden sonst sprächest du jetzt nicht von dir und diesem Mörser Geschah dir das was dir eben geschah dein Herz müßte schwellen vor Zartheit und es müßte dir bangen die Hand zu heben und deinen Fuß vor dich zu setzen um des Köstlichen willen das du zerstören könntest Aber es geht ein Maulesel am Abgrund hin und es ficht ihn nicht an die Tiefe und das Geheimnis ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 39 (etwas schwermütig halb zu der Magd die bei ihm ist ihm hilft sein Handwerkszeug vom Boden aufzunehmen) Ich höre und weiß nicht was eines redet und habe vergossen den Leim da ich hinfiel? und mir ist bange um mein Handwerk und daß ich nicht werde nähren können die meinen Händen anvertraut sind ( ) Um Nahrung für mich gräme dich nicht Und wenn du mich siehst meine Tücher nehmen (Sie tuts die beiden Mägde sind ihr behilflich) vielleicht zu fahren auf dem Flusse vielleicht zu wandeln neben den Gärten oder was immer die Lust mich wird heißen? kann sein dann komme ich eines Abends nicht wieder heim zu dir Denn es ist nicht von heute daß du meine Stimme hörest und fassest sie nicht in deinen Sinn und ist dir ferne die du nahe glaubst und wähnest du hättest sie im Gehäuse wie einen gefangenen Vogel der dein ist um wenig Münze gekauft auf dem Markt: die doch anderswo anders daheim ( ) (Sie schickt sich an zu gehen winkt der Amme sie zu begleiten der Kaiserin zurückzubleiben Barak sieht bestürzt und trübe vor sich hin Die Frau und die Amme sind zur Tür hinaus Die Kaiserin auf den Knien in Baraks Nähe sucht auf der Erde verstreutes Handwerkszeug zusammen) ( ) (wird erst jetzt gewahr daß er nicht allein ist) [9] Wer da? ( )? DIE KAISERIN (sieht zu ihm auf) Ich mein Gebieter deine Dienerin ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 40 Verwandlung: Der Kaiserin Schlafgemach im Falknerhaus : (falconhouse) Die Kaiserin liegt auf dem Bett in unruhigem Schlaf Die Amme schlummert in ihren Mantel gewickelt zu Füßen des Bettes DIE KAISERIN (aus dem Schlaf ohne die Augen aufzutun) [10] Sieh? Amme? sieh des Mannes Aug wie es sich quält Vor solchen Blicken liegen Cherubim auf ihrem Angesicht (jäh auffahrend mit ausgebreiteten Armen) Dir? Barak? bin ich mich schuldig ( ) ( ) (Sie sinkt hin und scheint nun fest einzuschlafen Die Wand des Gemaches schwindet und man sieht in eine gewaltige Höhle die durch einen Spalt ins Freie mündet Düstere Lampen da und dort erleuchten matt uralte in den Basalt gehauene Grabstätten Zur Rechten gewahrt man eine eherne Tür ins Innere des Berges führend Des Falken Ruf wird hörbar Dann dringt der Kaiser als folge er dem Falken nach mit den Händen sich vorwärts tastend durch den Spalt in die Höhle Die Kaiserin bewegt sich im Schlaf stöhnt einmal leise auf Der Kaiser nimmt eine der Grablampen; in seiner Hand leuchtet sie hell auf er wird die eherne Tür gewahr Ein Rauschen dringt durch diese wie von fallendem Wasser) ( ) STIMMEN (aus dem Innern des Berges) [11] Zum Lebenswasser Zur Schwelle des Todes Nahe Wage Wehe Zage ( ) DIE STIMME DES FALKEN Die Frau wirft keinen Schatten Der Kaiser muß versteinen (Der Kaiser geht gegen die Tür Der Falke umschwirrt ihn stößt klägliche abmahnende Rufe aus Der Kaiser pocht an die Tür die sich öffnet und ihn einläßt dann wieder schließt Die ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 41 Höhle verschwindet die Lampen im Schlafgemach leuchten stärker auf) DIE KAISERIN (fährt mit einem Schrei aus dem Schlummer empor) [12] Wehe mein Mann Welchen Weg Wohin? Durch meine Schuld Die Tür fiel zu als wärs ein Grab Er will heraus und kann nicht mehr Ihm stockt der Fuß sein Leib erstarrt Die Stimme erstickt Sein Auge nur schreit um Hilfe Weh Amme kannst du schlafen Da und dort alles ist meine Schuld? Ihm keine Hilfe dem andern Verderben? Barak wehe Was ich berühre töte ich Weh mir würde ich lieber selber zu Stein ( )?? Verwandlung: Des Färbers Wohnung : Es dämmert in dem Raum wird allmählich dunkler und dunkler (sitzt an der Erde) [13] Es dunkelt daß ich nicht sehe zur Arbeit mitten am Tage ( ) (Die drei Brüder kommen zur Tür herein mit gesenkten Köpfen Auch draußen ist es dunkel) ( ) DIE BRÜDER Es ist etwas und wir wissen nicht was es ist o mein Bruder

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 42 (mit der Kaiserin seitwärts) Es sind Übermächte im Spiel o meine Herrin und ein Etwas bedroht uns aber wir werden anrufen gewaltige Namen und dir wird werden worauf du deinen Sinn gesetzt hast ( ) (an der Erde seitwärts) Wie ertrag ich dies Haus und mache kein Ende wo es finster ist mitten am Tage und die Hunde heulen vor Furcht und niemand weist sie hinaus ( ) DIE KAISERIN (für sich) Wehe womit ist die Welt der Söhne Adams erfüllt Und wehe daß ich herein kam ihren Gram zu vermehren und ihre Freude zu verzehren Gepriesen sei der mich diesen Mann finden ließ unter den Männern denn er zeigt mir was ein Mensch ist und um seinetwillen will ich bleiben unter den Menschen und atmen ihren Atem und tragen ihre Beschwerden ( ) DIE BRÜDER Die Sonne geht aus mitten am Tage und der Fluß bleibt stehen und will nicht mehr fließen o mein Bruder Es widerfährt uns und wir wissen nicht was uns widerfährt (für sich) Meine Hände sind als ob sie gebunden wären und mein herz als läge ein Stein darauf und auf meiner Seele ein Stück der ewigen Nacht Gepriesen der die Finsternis nicht kennt ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 43 und dessen Auge niemals zerfällt Einer unter allen Aber wir werden anrufen gewaltige Namen und dir wird werden worauf du deinen Sinn gesetzt hast (ist jäh aufgestanden; sie heftet einen bösen Blick auf Barak dann geht sie auf und nieder ohne ihn anzusehen) [14] Es gibt derer die bleiben immer gelassen und geschähe was will es wird keiner jemals ihr Gesicht verändert sehen Tagaus tagein gehen sie wie das Vieh von Lager zu Fraß von Fraß zu Lager und wissen nicht was geschehen ist und nicht wie es gemeint war ( ) (ein greller Blitz) ( ) Darüber müssen sie verachtet werden und verlacht wer zu ihnen gehört und ist in die Hand eines solchen gegeben Aber ich bin nicht in deiner Hand hörst du mich Barak? Und wenn du ausgegangen warst und trugest dir selbst die Ware zu Markt so habe ich meinen Freund empfangen einen Fremdling unter den Fremdlingen und wenn ich dich weckte aus deinem Schlaf so kam ich aus seiner Umarmung? (ein Blitz) ( ) Hörst du mich Barak? Schweige doch diese damit du mich verstehen kannst Ich will nicht daß du ein Gelächter sein müßtest unter den Deinen? ;

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 44 sondern du sollst wissen Dies alles tat ich hier im Hause drei Tage lang: aber die Freude war mir vergällt denn ich mußte an dich denken wo ich dich hätte vergessen wollen und dein Gesicht kam hin wo es nichts zu suchen hatte Aber es ist mir zugekommen wie ich dir entgehe und dich ausreiße aus mir und jetzt weiß ich den Weg : (Barak steht jäh auf; die Brüder taumeln zur Seite) ( ) Abtu ich von meinem Leibe die Kinder die nicht gebornen und mein Schoß wird dir nicht fruchtbar und keinem andern sondern ich habe mich gegeben den Winden und der Nachtluft und bin hier daheim und woanders und des zum Zeichen habe ich meinen Schatten verhandelt: und es sind die Käufer willig und der Kaufpreis ist herrlich und ohnegleichen (in höchster Erregung) [15] Das Weib ist irre zündet ein Feuer an damit ihr Gesicht sehe ( ) (Das Feuer flammt auf) ( ) DIE BRÜDER Sie wirft keinen Schatten Es ist wie sie redet Sie hat ihn verkauft und abgehalten die Ungeborenen von ihrem Leibe (zur Kaiserin) Auf und hin nimm den Schatten reiß ihn an dich ( )

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 45 Sie hat es gesprochen mit wissendem Mund so ist es getan Und nicht der Sterne Gericht macht diesen Handel zunicht DIE BRÜDER Der Schatten ist abgefallen von ihr und sie ist ohne die Verfluchte (furchtbar losbrechend) Hat sie solch eine Hurenstirn und sieht lieblich darein und schämt sich nicht? Heran ihr Brüder einen Sack herbei und hinein von den Steinen daß ich dies Weib ertränke im Fluß mit meinen Händen (will auf die Frau los) ( )? ( ) DIE KAISERIN Ich will nicht den Schatten: auf ihm ist Blut ich faß ihn nicht an (reißt sich von ihr los wendet den Blick nach oben) Meine Hände reck ich in die Luft rein zu bleiben von Menschenblut Sternennamen ruf ich an gegen mich diese zu retten geschehe was will : ( ) DIE BRÜDER (hängen sich an Barak) Kein Blut auf diene Hände mein Bruder Auf und jage sie aus dem Hause Einer Hündin Geschick über sie in Gosse und Graben Kein Blut auf deine Hände mein Bruder halte dich rein o unser Vater ( ) Mein Aug ist verdunkelt

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 46 helft mir ihr Brüder Herbei einen Sack und Steine hinein daß ich sie ertränke mit meinen Händen Helft ihr mir nicht tret ich euch nieder Ich hab es verhängt in meiner Seele und will es vollziehen mit meinen Händen (rückwärts mit der Kaiserin ihr Auge unverwandt mit dämonischer Lust auf den Vorgang geheftet) Wer schreit nach Blut und hat kein Schwert dem wird von uns die Hand bewehrt Und fließt nur schnell das dunkle Blut wir haben den Schatten und uns ist gut ( ) (Wie Barak gleichsam zum Schwure die Rechte nach oben reckt stürzt ihm aus der Luft ein blitzendes Schwert in die Hand Die Brüder haben kaum die Kraft ihn zu halten Die Frau ist in sprachlosem Schreck über die Wirkung ihrer frevelhaften Rede nach links hinüber geflüchtet; allmählich geht in ihr eine ungeheure Veränderung vor; leichenblaß aber verklärt mit einem Ausdruck wie sie ihn nie zuvor gehabt hat trägt sie sich Barak und dem tödlichen Schwertstreich entgegen) ( ) [16] Barak ich hab es nicht getan Noch nicht getan Höre mich Barak Verräter ward mein Mund an mir zuvor die Seele die Tat getan Muß ich sterben vor deinem Angesicht muß ich sterben um was nicht geschah

R STRAUSS Die Frau ohne Schatten 47 o du den zuvor ich niemals sah mächtiger Barak strenger Richter hoher Gatte? Barak so töte mich schnell DIE BRÜDER (hängen sich mit letzter Kraft an ihn; zugleich) Sie werden dich behängen mit Ketten und dich schlagen mit der Schärfe des Schwertes erbarme dich unser o unser Vater ( ) (Barak hebt das Schwert das in seinen Händen funkelt und von dem Blitze ausgehen die den dunklen Raum? denn das Feuer ist zusammengesunken? zuckend erleuchten Indem Barak zum Streich ausholt erlischt das funkelnde Schwert plötzlich und scheint ihm aus der Hand gewunden? ein dumpfes Dröhnen macht das Gewölbe erzittern die Erde öffnet sich und durch die geborstene Seitenmauer tritt der Fluß herein Indes die Brüder ihr Leben zu retten zur Tür hinausflüchten sieht man Barak und die willenlos vor ihm liegende Frau aber jedes für sich versinken Die Amme hat die Kaiserin mit sich auf einen erhöhten Platz an der Mauer des Gewölbes emporgerissen und deckt sie mit ihrem Mantel Man hört aus dem Dunkel das alles verhüllt ihre Stimme) ( ) Übermächte sind im Spiel Zu mir her DRITTER AUFZUG 3 Unterirdische Gewölbe durch eine querlaufende dicke Mauer in zwei Kammern geteilt [1] (In der rechten wird Barak sichtbar in düsterem Brüten auf dem harten Stein sitzend; zur Linken die Frau in Tränen mit aufgelöstem Haar Sie wissen nicht voneinander hören einander nicht Die Frau zuckt zusammen Im Orchester ertönen die Stimmen der ungeborenen Kinder wie im ersten Aufzug) ( 1 )